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Pressemitteilung 17.01.2012

Bündnis Recht auf Straße
17.01.2012
Pressemitteilung
Sexarbeit in St. Georg ist nicht zu verdrängen!

Kommende Woche, am 24.1., soll in der Hamburger Bügerschaft die sogenannte
„Kontaktverbots-Verordnung“ verabschiedet werden, die Kunden der Sexarbeit
in St. Georg das Anwerben der Dienstleistungen bei Strafe untersagt. Das
Bündnis Recht auf Straße kritisiert die geplante Verordnung als weitere
Eskalationsstufe der Repression und spricht sich für die Ermöglichung
guter Arbeitsbedingungen aus. Es gelte Selbstbestimmung zu bestärken statt
Prekarisierung zu verschärfen.

Der Hamburger Senat will am 24. Januar eine „Kontaktverbotsverordnung“
beschließen von der er sich eine wirksame Verdrängung der Sexarbeit aus
St. Georg erhofft. Diese Verordnung sieht vor, dass Kunden unter Strafe
verboten ist, die Dienstleistung von Sexarbeiter_innen zu erfragen. Damit
stellt die Verordnung neben Bußgeldern über mehrere hundert Euro und
Aufenthaltsverboten eine weitere Eskalationsstufe der Vedrängungspolitik
gegen Sexarbeit in St. Georg dar. Im Rahmen von
stadtentwicklungspolitischen Aufwertungsbestrebungen ist die Verdrängung
des Straßenstrichs aus St. Georg erklärtes Ziel. Bußgelder und Repression
erhöhen den Druck, klandestiner arbeiten zu müssen und damit die in der
Arbeit bestehenden Risiken.
St. Georg hat sich über die Jahre jedoch zu einem Ort mit wichtigen
Infrastrukturen für die Sexarbeiter_innen entwickelt. So arbeiten die
Frauen, Transpersonen und Männer in diesem Stadtteil selbstbestimmt für
ihre eigene Tasche. Zudem können Pausen in Cafés verbracht und Bedarfe in
sozialen Einrichtungen geklärt werden. „Die Repression in St. Georg ist
bitterer Ausdruck einer Stadtpolitik, die beständig neue Ausgrenzungen
erzeugt. Wir setzen uns ein für ein Recht auf Straße als ein Recht auf
Stadt, das dem städtischen Verwertungsdenken widerspricht“, so Lana
Platzert von dem Bündnis Recht auf Straße. Das Bündnis versucht bestehende
Widerstände von Sexarbeiter_innen zu unterstützen und setzt
links-feministische Perspektiven gegen die Repression.
Die Vision eines aufgewerteten Stadtteils scheint keinen Platz zu haben
für langjährig gewachsene lokale Gegebenheiten wie Sexarbeit, bestimmte
Nutzungsformen des öffentlichen Raums oder Kneipen wie den Hansatreff.
Repression ist die Antwort auf ein selbstbewusstes Bleiben
unterschiedlicher Strukturen und Gruppen von Menschen. „Will St. Georg
sich zu einem vorzeigbaren Stadtteil herausputzen, so muss es vorangehen
mit der Ermöglichung von guten Arbeitsbedingungen innerhalb eines
Gewerbes, das sich nicht verdrängen lässt“ sagt eine Anwohnerin des
Hansaplatzes.
Momentane Versuche rassistischer Spaltungen der Sexarbeiter_innen in einen
erwünschten Teil und diejenigen, denen ihre Selbstbestimmung abgesprochen
wird, die als Opfer von Menschenhandel gelten, dienen allenfalls der
Schwächung der Position der Arbeiter_innen. „Eine Lösung kann nur in
Arbeitsverhältnissen liegen, in denen Arbeiten als solche anerkannt und
angemessen bezahlt werden“, so Sara Hansa vom Bündnis Recht auf Straße,
„die Stadt muss allen Bewohner_innen Orte und Möglichkeiten bieten und
nicht nur denen, die sich städtische Mitsprache über den Erwerb einer
Eigentumswohnung erkaufen“. Dem Bündnis gegenüber ist von einer
Demonstration die Rede, die Sexarbeiter_innen zum Rathhaus veranstalten
wollen. Eine solche lautstarke Widersetzung vermag hoffentlich dem harten
Wind der Stadt zu trotzen. „Sexarbeit bleibt eine nachgefragte
Dienstleistung. Deshalb gilt es gute Arbeitsbedingungen und
Selbstbestimmung zu erkämpfen“, so Lana Platzert von dem Bündnis, „wir
freuen uns, an der Demonstration teilzunehmen“. Darüber hinaus
veranstaltet das Bündnis Recht auf Straße am Samstag 4. Februar um 14Uhr
eine Kundgebung auf dem Hansaplatz.