Fachtag Prostitution

Im Mai 2012 findet an der HAW (Hochschule für Angwandte Wissenschaften Hamburg) der Fachtag: „Prostitution im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Sozialer Arbeit“ statt!

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Prostitution steht im Spannungsfeld zwischen „Autonomie“ und „Sozialer Arbeit“; zum einen steht Prostitution als anerkannte Sexarbeit in einem Emanzipations- und Professionalisierungsdiskurs, zum anderen beschäftigt sich Soziale Arbeit im Rahmen verschiedenster Handlungsfelder mit dem Thema Prostitution. Anhand der Prostitution kann verdeutlicht werden, welche Sozialen Arbeitsfelder in der Arbeit mit Prostituierten (männlich/weiblich/trans*) betroffen sind. Exemplarisch sind hier die Handlungsfelder der Sozialen Sicherung, Gesundheit (HIV/STD-sexually transmitted diseases, Abhängigkeitserkrankungen), Stadtteilarbeit, Migration sowie Gender in der Sozialen Arbeit zu nennen. Am Fachtag wird verdeutlicht, in welchem Spannungsverhältnis Prostitution aus der Sicht der Sozialen Arbeit steht. Ziel ist es, die Schnittstellen und Netzwerke darzustellen, die Soziale Arbeit mit dem Thema Prostitution/Sexarbeit verbinden.


2 Antworten auf „Fachtag Prostitution“


  1. 1 Ulrich Gehner 04. April 2012 um 19:35 Uhr

    Polizei und Gerichte machen ernst mit der Verfolgung von Sexarbeit: vor ca. 10 Tagen ist einer jungen Bulgarin ein Strafbefehl in Höhe von sage und schreibe 5.600,- EUR zugestellt worden wegen vermeintlicher Prostitution in St.Georg. 70 Tagessätze á 70 EUR, das wären mehr als zwei Monate Gefängnis. – Ein weiterer Fall besteht in der – heutigen – persönlichen Zustellung einer Anklageschrift, ebenfalls an eine, noch nicht 21-jährige Bulgarin, der u.a. „häufiges Auf- und Abgehen in der Bremer Reihe in szenetypischer Kleidung“ vorgeworfen wird. Problematisch sind u.a. die 14-tägigen Fristen für Einsprüche dagegen, da die Zustellung meist persönlich erfolgt und nicht dokumentiert ist. Die Anklageschrift im letztgenannten Fall datiert bereits vom 22. Februar, der Strafbefehl vom 4. März. Offiziell wären also in beiden Fällen Einspruchsfristen lägnst abgelaufen. Mehmet Simsit, bei dem beide Frauen um Rat gefragt haben, kümmert sich aber darum, dass ein der Zustellung entsprechender Datumsstempel auf den Papieren vermerkt wird. – Es wird Zeit, mit geeigneten RechtsanwältInnen Kontakt aufzunehmen, um zu retten, was zu retten ist.

  2. 2 Sexworker 09. April 2012 um 16:44 Uhr

    Das ist eine interessante und zweifelsohne wichtige Tagung.

    Insbesondere der Autonomie-Aspekt kommt jedoch zu kurz bzw. wird aktiv hintertrieben, auch wenn das nie so beabsichtigt war.

    Warum ist das so? Weil es in Deutschland einen Akademiker-Zwang zur Arbeit mit Prostituierten gibt. Dadurch wird vergleichbar der gläsernen Decke für Frauen im Beruf fast allen Sexarbeit_innen die Chance genommen für sich und ihre Kolleg_innen im Professionalisierungsdiskurs der Prostitutions-Branche aktive Hilfe und Interessenvertretung leisten zu können in einem professionellen Setting einer Beratungsstelle.

    Wir Sexworker, intimen Prostitutionskenner, Forscher der clandestinen Prostitutionspraxis und Menschenrechte-Advokaten sehen daher diese gutgemeinte Veranstaltung auch als eine Entmündigung der Sexworker-Interessen-Selbstvertretung. Es herrscht eine Situation wie damals, als nur Männer Frauenärzte wurden.

    Das könnte sich verbessern, wenn auf dieser Tagung auch Jobangebote und Arbeitsstellenpräsentationen aus dem Bereich der Sexarbeit im Programm integiert worden wären. Letztes Jahr hatte das Studienkolleg zu Berlin des europäischen Führungsnachwuchses und der Studienstiftung des Deutschen Volkes eine vielbeachtete Studie über die Gruppe der Studenten-Sexarbeiter_innen vorgelegt. Diese Studentenjobber werden im Programm dieser Sozialarbeitstagung völlig totgeschwiegen und ihnen werden Informationen und öffentliche Ressourcen vorenthalten. Dabei gibt es so viele drängenden lebenswichtige Fragen: Wo finde ich Safer-only Arbeitsstätten, wie ist die rechtliche, steuerliche, sicherheitstechnische und psychlologische Lage, wie muß kooperative Arbeit organisisert und abgesichert sein, damit ein selbstverwaltetes, faires Genossenschaftsbordell sicher funktionieren kann…

    Damit jedoch auch erfahrene und praxiserprobte Sexworker und Ex-Sexworker Beratung und damit Interessenvertretung für Sexworker im Emanzipations- und Professionalisierungsdiskurs leisten können, braucht es dringend überfällige strukturelle Veränderung bei Einstellunsbedingungen und Vergütungsordnungen öffentlicher Träger. Eine nachweisliche Lebens- und Berufspraxis von Sexworkern muß als Qualifikation einer verschulten Ausbildung gleichwertig sein im Feld der Arbeit für Prostitutierte so wie in Australien.

    So können nach Meinung von Sexworker Menschenrechtevertretern auch Beratungsfehler vermieden werden, wie neulich in NRW, als eine junge Uniabsolventin und Sozialarbeiterin fahrlässig eine ebenso junge Sexabeiterin den “Fängen” übereifriger Behördenmitarbeiter zugeführt hatte.

    Affirmative Action Policy – Sexworker Selbstermächtigungs Strategie (S³) sollte integraler Bestandteil und Reflexionskeim in dieser wichtigen Fachtagung sein.

    Das und gutes Gelingen wünschen viele Sexworker in Deutschland, vernetzt im intl. Sexworker Forum.
    Sexworker Marc of Frankfurt

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