Mopo berichtet über die Folgen der Kontaktverbotsverordnung

Gestern ist dieser Artikel in der Mopo erschienen, der von den ersten Auswirkungen der Kontaktverbotsverordnung in St. Georg berichtet. Die Kontaktverbotsverordnung ermöglicht es der Polizei, mutmaßliche Kund_innen von Sexarbeit mit hohen Bußgeldern zu belegen, was die prekäre Situation von Sexarbeiter_innen in St. Georg weiter verschärft. In dem Artikel kommen auch kritische Stimmen zu Wort. Die inflationäre Benutzung des Wortes „Hure“, die in dem Artikel vorgenommen wird, zeigt jedoch auch die faktischen Grenzen der kritischen Berichterstattung auf.
Zum Artikel auf der Mopo-Seite

Der Straßenstrich verwaist
Die einsamen Huren von St. Georg

Von Mathis Neuburger und Rüdiger Gaertner

Die ersten Freier müssen zahlen! Seit Montag vergangener Woche verfolgt die Polizei Männer, die in St. Georg Huren ansprechen. 13 Bußgelder hat es in den ersten vier Tagen gehagelt – seitdem bleiben die Freier weg, klagen die Prostituierten. Der Straßenstrich ist verwaist.

Am Montag gingen den Beamten sieben Freier ins Netz. Am Dienstag vier. Mittwoch und Donnerstag jeweils nur einer und dann keiner mehr. Das sogenannte „Kontaktverbot“ wirkt – zum Ärger der Huren: „Sonst hatte ich immer circa zehn Kunden am Tag, jetzt sind es maximal drei“, schimpft Sophia (24) aus Bulgarien. „Dazu kommt noch der ständige Ärger mit der Polizei, die verstärkt Streife geht und uns verscheucht.“

Die so gescholtenen Beamten sehen das eher als Lob. Von einem großen Erfolg wollen sie zwar noch nicht sprechen. Das Vorgehen der Polizei habe sich aber wohl in der Szene rumgesprochen, so ein Polizeisprecher. „Ein kleiner Trend ist sichtbar. Wir gehen davon aus, dass dieser weiter anhält und in Zukunft nur noch vereinzelt Bußgelder ausgesprochen werden.“

Vor rund einem Monat hatte der Senat die sogenannte Kontaktverbotsverordnung erlassen. Bis zu 5000 Euro Bußgeld muss seitdem zahlen, wer im Sperrgebiet St. Georg eine Hure anspricht. Bei Erstverstößen werden laut Polizei in der Regel 200 Euro fällig. Teurer wird’s bei Wiederholungstätern.

Die Verordnung wurde erlassen, um St. Georg familiengerechter zu machen. „Nach unseren Beobachtungen sind die Anwohner zufrieden mit der neuen Regelung“, sagt Helmut Voigtland vom Bürgerverein zu St. Georg. „Wenn der eine oder andere Pinneberger jetzt abgeschreckt wird, ist das schon ein Erfolg.“ In der Tat sind kaum noch Prostituierte auf den Straßen zu sehen.

Sophia zum Beispiel stand früher acht bis neun Stunden am Tag unbehelligt an ihrem Stammplatz Ellmenreichstraße. Jetzt sind die Huren ständig in Bewegung, flanieren herum oder verstecken sich auf ihrem Zimmer, wenn sie von der Polizei mal wieder verscheucht wurden.

Kritik am Senat übt daher Michael Joho vom alternativen Einwohnerverein St. Georg. Die Verordnung sei „ein Freifahrtschein für die Polizei, gegen Prostitution vorzugehen“. Joho klagt über grundlose Personenkontrollen und Beamte, die Prostituierte und einfache Bürger bedrängen.

Sophia jedenfalls will in den nächsten Tagen wieder zurück nach Bulgarien: „Das Geschäft ist zu schlecht geworden.“


1 Antwort auf „Mopo berichtet über die Folgen der Kontaktverbotsverordnung“


  1. 1 Sexworker 25. Februar 2012 um 13:50 Uhr

    Habt ihr inzwischen eine offizielle Karte des genauen Bereiches der KontaktverbotsVO erhalten? Die sollte auch hier veröffentlicht werden, damit Sexworker (vielfach Wanderarbeiter_innen) im Netz nachschlagen und sich informieren können.

    Der Senat hat es bisher versäumt sie bei der Verordnung zu veröffentlichen, obwohl sie als Anlage erwähnt wird. Scheint also bisher nur die Polizei zu haben? (Grundsätzliches zum Policing: www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=9245)

    Bisher gibt es die Karte nur bei FB www.facebook.com/groups/114069434594/ und im Sexworker Forum. (Bitte mailt mir, falls es hier eine Kommentar-Sperre gibt.)

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